Wann Geschäftsführer trotz GmbH persönlich haften können
Eine GmbH ist eine eigene juristische Person. Das bedeutet jedoch nicht, dass ihre Geschäftsführung gegenüber der Gesellschaft keine Verantwortung trägt. § 43 GmbHG verlangt die Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmanns. Bei einer schuldhaften Pflichtverletzung können Ersatzansprüche entstehen. Für Vorstände einer Aktiengesellschaft enthält § 93 AktG entsprechende Regeln.
Ein wirtschaftlich erfolgloses Projekt ist nicht automatisch eine haftungsbegründende Fehlentscheidung. Entscheidend sind unter anderem Informationsgrundlage, Zuständigkeit, Interessenkonflikte und die konkrete Pflicht. Eine sorgfältig vorbereitete unternehmerische Entscheidung kann zulässig sein, obwohl sie sich später als unprofitabel erweist. Deshalb gehört die Prüfung der Haftungsfrage zu den wichtigsten Leistungen einer Managerhaftpflicht.
Innenhaftung
Die eigene Gesellschaft fordert Ersatz von einer versicherten Führungskraft.
Außenhaftung
Ein Dritter, etwa ein Gläubiger, erhebt einen persönlichen Anspruch.
Anspruchsabwehr
Der Versicherer prüft, ob überhaupt eine versicherte Pflichtverletzung und ein ersatzfähiger Schaden vorliegen.
D&O-Kosten: drei Hiscox-Beispiele für Unternehmen bis 1 Mio. € Umsatz
Das veröffentlichte Hiscox-Antragsmodell mit Stand März 2024 enthält eine nach Umsatz und Deckung gestaffelte Jahresprämie. Für die Umsatzklasse bis 1 Mio. € ergeben sich die folgenden Rechnungen ohne Laufzeit- oder Cybernachlass, ohne zusätzlichen Strafrechtsschutz und mit einfacher Jahreshöchstleistung. Gerechnet wird bei jährlicher Zahlung und einjähriger Laufzeit.
Die Tabellenprämien sind Nettobeiträge; die rechte Spalte enthält zusätzlich 19 % Versicherungssteuer. Das Modell ist an Annahmefragen gebunden, insbesondere zur Branche, wirtschaftlichen Lage, Schadenhistorie und Konzernstruktur. Es ist kein Angebot für Unternehmen mit bereits bekannten Haftungsfällen oder Insolvenzgründen. Ein individuell vereinbarter Selbstbehalt ist im konkreten Angebot auszuweisen; der gesetzliche Vorstandsselbstbehalt kann nicht pauschal entfallen.
| Deckung je Versicherungsfall | Netto pro Jahr | Inkl. 19 % Versicherungssteuer |
|---|---|---|
| 100.000 € | 347 € | 412,93 € / Jahr |
| 500.000 € | 592 € | 704,48 € / Jahr |
| 1 Mio. € | 675 € | 803,25 € / Jahr |
Deckung nicht allein nach dem Umsatz auswählen
Auch ein Unternehmen mit überschaubarem Umsatz kann hohe persönliche Haftungsforderungen auslösen. Finanzierungen, Tochtergesellschaften, einzelne Investitionen und mögliche Abwehrkosten gehören in die Bedarfsermittlung.
D&O, Berufshaftpflicht und Betriebshaftpflicht haben verschiedene Aufgaben
Eine Unternehmensberatung kann gleichzeitig einen Beratungsfehler gegenüber einem Kunden und einen internen Organisationsfehler ihrer Geschäftsführung erleben. Die erste Konstellation gehört zur beruflichen Dienstleistung; die zweite kann ein Organhaftungsfall sein. Eine D&O-Police ersetzt daher nicht die Berufshaftpflicht der Gesellschaft.
Ebenso wenig ist die Managerhaftpflicht eine Allzweckversicherung für jeden Schaden am Betrieb. Wird ein Besucher verletzt, ist die Betriebshaftpflicht zu prüfen. Werden Maschinen durch Feuer beschädigt, geht es um Sachversicherung. Eine persönliche Bürgschaft gegenüber der Bank wird nicht allein durch den Abschluss einer D&O-Versicherung aufgehoben.
| Vorwurf oder Schaden | Prüfbereich |
|---|---|
| Geschäftsführer missachtet interne Zuständigkeitsregeln | D&O / Organhaftung |
| Berater gibt einem Auftraggeber eine fehlerhafte Empfehlung | Berufshaftpflicht / Vermögensschadenhaftpflicht |
| Besucher stürzt auf dem Betriebsgelände | Betriebshaftpflicht |
| Gesellschafter muss eine vereinbarte Bürgschaft erfüllen | Bürgschaftsverpflichtung; nicht automatisch D&O |
D&O-Schadenbeispiele: aus einer Entscheidung wird ein persönlicher Anspruch
Die folgenden Situationen veranschaulichen mögliche Haftungsfragen. Sie sind keine Zusage, dass in jedem vergleichbaren Fall eine Pflichtverletzung vorliegt oder ein bestimmter Tarif zahlt. Der tatsächliche Auftrag, die Entscheidungsunterlagen und die Bedingungen bleiben entscheidend.
Investition ohne belastbare Prüfung
Eine teure Anlage wird bestellt, obwohl erforderliche technische Daten nicht geprüft wurden. Die Gesellschaft verlangt die vermeidbaren Umrüstungskosten von der Geschäftsführung.
Versäumte Anspruchsfrist
Die zuständige Führungskraft lässt eine bekannte Frist verstreichen. Ein durchsetzbarer Anspruch der Gesellschaft geht verloren; über Verantwortung und Schadenhöhe entsteht Streit.
Zahlungen in der Unternehmenskrise
Nach Eintritt einer Insolvenzreife können Zahlungen besondere Ersatzansprüche auslösen. Hier sind genaue Rechtsgrundlage, Zeitpunkt und vereinbarter Deckungsumfang entscheidend.
Claims-made und Nachmeldung: warum der Zeitpunkt des Anspruchs zählt
Viele D&O-Verträge folgen dem Anspruchserhebungsprinzip. Dann ist besonders wichtig, wann erstmals ein Anspruch gegen die versicherte Person erhoben wird. Der Zeitpunkt der zugrunde liegenden Handlung kann davor liegen. Rückwärtsdeckung, bekannte Umstände und Nachmeldefrist müssen deshalb zusammen gelesen werden.
Bei einem Wechsel des Versicherers oder Ausscheiden einer Führungskraft sollte die zeitliche Absicherung lückenlos abgestimmt werden. Eine Nachmeldefrist schafft nicht beliebig neue Deckung für Handlungen nach Vertragsende. Ebenso wenig lässt sich ein bereits bekannter Konflikt durch Abschluss eines neuen Vertrages nachträglich unbekannt machen. Melden Sie Vorwürfe und erkennbare Umstände nach den vereinbarten Regeln.
Ausscheiden beendet nicht jede Haftungsfrage
Ehemalige Geschäftsführer können noch für ihre frühere Tätigkeit in Anspruch genommen werden. Lassen Sie sich schriftlich erklären, wie der Vertrag ausgeschiedene Organmitglieder und spätere Meldungen behandelt.

Diese D&O-Vertragsmerkmale beeinflussen den nutzbaren Schutz
Neben der Deckungssumme zählt, ob Verteidigungskosten diese Summe aufzehren. Auch mehrere Versicherungsfälle können sich eine Jahreshöchstleistung teilen. Eine Verdoppelung der Jahreshöchstleistung ist nicht dasselbe wie eine Verdoppelung der Summe für einen einzelnen Schaden.
Weitere Punkte sind Tochtergesellschaften, neue Mandate, mitversicherte leitende Angestellte, Auslandsbezug und der Umgang mit Pflichtverletzungen einzelner Personen. Wissentliche Pflichtverletzungen und vorsätzlich herbeigeführte Schäden sind gesondert zu betrachten. Ein Strafrechtsschutzbaustein benötigt eine eigene Vereinbarung; er ist nicht aus dem Wort Managerhaftpflicht abzuleiten.
Für ein D&O-Angebot: Rechtsform, Zahlen und Mandate zusammenstellen
Nennen Sie Rechtsform, Branche, Jahresumsatz, Gründungsdatum und gewünschte Versicherungssumme. Bei Unternehmensgruppen werden Beteiligungsverhältnisse und Tochtergesellschaften wichtig. Jahresabschluss, Eigenkapital und Angaben zu laufenden oder angedrohten Ansprüchen helfen, das Risiko korrekt zu beurteilen.
Geben Sie außerdem an, ob es bereits eine Unternehmens-D&O gibt und ob Sie als Organmitglied eine ergänzende persönliche Absicherung suchen. Bei mehreren Mandaten muss deren Umfang ausdrücklich geprüft werden. Über die Angebotsanfrage können Sie die Ausgangslage schildern; benötigte Detailunterlagen werden anschließend abgestimmt.
Fragen zur D&O-Versicherung
Was kostet eine D&O-Versicherung für eine kleine GmbH?
Das dargestellte Hiscox-Antragsmodell rechnet bei bis zu 1 Mio. € Umsatz und 500.000 € Deckung mit 592 € netto beziehungsweise 704,48 € inklusive Versicherungssteuer pro Jahr. Grundlage sind der genannte Tarifstand, Jahreszahlung, einfache Jahreshöchstleistung und die Annahmevoraussetzungen. Individuelle Selbstbehalte müssen im Angebot ausgewiesen werden.
Ist eine D&O-Versicherung für Geschäftsführer gesetzlich vorgeschrieben?
Eine allgemeine gesetzliche Pflicht zum Abschluss einer D&O-Versicherung besteht für GmbH-Geschäftsführer nicht. Satzungen, Verträge oder besondere Anforderungen können trotzdem Vorgaben enthalten. Persönliche Haftungsrisiken bestehen unabhängig davon, ob eine Police abgeschlossen wurde.
Zahlt die D&O-Versicherung bei jeder falschen Entscheidung?
Eine D&O-Versicherung ist kein Ausgleich für jedes schlechte Geschäftsergebnis. Sie prüft einen Haftpflichtanspruch wegen einer versicherten Pflichtverletzung. Eine ordnungsgemäß vorbereitete unternehmerische Entscheidung kann auch dann rechtmäßig sein, wenn sie wirtschaftlich scheitert.
Wer bezahlt eine Unternehmens-D&O?
Bei einer Unternehmens-D&O schließt üblicherweise die Gesellschaft den Vertrag zugunsten der versicherten Organpersonen ab. Eine persönliche D&O wird dagegen von der einzelnen Führungskraft vereinbart. Beide Formen müssen mit bestehenden Verträgen abgestimmt werden.
Welcher Selbstbehalt gilt für einen AG-Vorstand?
§ 93 AktG verlangt bei einer von der Gesellschaft abgeschlossenen D&O-Versicherung für Vorstandsmitglieder mindestens 10 % des Schadens bis mindestens zum Eineinhalbfachen der festen jährlichen Vergütung. Das ist nicht pauschal die Selbstbehaltsregel jedes GmbH-Geschäftsführers.
Ist Strafrechtsschutz in der Managerhaftpflicht enthalten?
Die D&O-Versicherung enthält die vereinbarte Abwehr von Haftpflichtansprüchen. Strafrechtliche Verteidigungskosten benötigen eine entsprechende Zusatzregelung oder einen separaten Strafrechtsschutzvertrag. Die Leistungsbereiche dürfen nicht gleichgesetzt werden.
Was passiert mit der D&O beim Ausscheiden?
Für die D&O-Versicherung sind Regelungen zu ausgeschiedenen Personen, Rückwärtsdeckung und Nachmeldefrist maßgeblich. Prüfen Sie diese vor einem Wechsel oder Vertragsende, weil Ansprüche aus früheren Entscheidungen erst später erhoben werden können.
Sind Bürgschaften durch die D&O abgesichert?
Eine D&O-Versicherung befreit nicht automatisch von einer privat übernommenen Bürgschaft. Vertragliche Zahlungspflichten und Haftpflichtansprüche wegen Organpflichtverletzungen sind unterschiedliche Sachverhalte.
